Wenn Sie Objekte in nahen Entfernungen problemlos erkennen, aber Straßenschilder oder die Schrift an der Schultafel kaum entziffern können, sind Sie wahrscheinlich kurzsichtig (myop).
Das Wort "Myopie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "geschlossene Augen".
Tatsächlich ist eines der häufigsten Zeichen für Myopie das Zusammenkneifen
der Augen, um entfernte Objekte besser erkennen zu können.
Myopie ist keine Krankheit, es heißt auch nicht, dass man "schlechte Augen" hat. Es
besagt einzig und alleine, dass die Brechkraft des Auges zu hoch ist. Deshalb ist das Auge
im entspannten Zustand bereits auf eine nähere Entfernung als normal eingestellt.
Dieses Zuviel an Brechkraft wird, wenn möglich, durch Minuslinsen kompensiert.
Wodurch wird Myopie verursacht?
Der häufigste Grund für Kurzsichtigkeit liegt in der Bauweise des Augapfels: Er ist zu lang. Ein weiterer, weniger häufiger Grund ist, dass die Hornhaut, das "Fenster" des Auges, zu stark gekrümmt ist.
Unsere Fähigkeit zu "sehen" beginnt, wenn Licht durch die Hornhaut ins Auge
eintritt. Die Gestaltung der Hornhaut, der Linse und des Augapfels tragen dazu bei, das
Licht derart zu bündeln, dass es exakt auf der Netzhaut auftrifft und dort ein
scharfes Bild liefert.

Wenn Sie jedoch kurzsichtig sind, treffen sich die Lichtstrahlen eines weit entfernten
Objektes schon vor der Retina (Netzhaut) zu einem scharfen Bild. Nach diesem "Treffpunkt"
gehen die Strahlen wieder auseinander, und deshalb entsteht auf der Netzhaut ein
"Unschärfescheibchen" von jedem Bildpunkt des angeblickten Objekts - das Bild ist
unscharf!

Wer ist von Kurzsichtigkeit betroffen?
Da das Auge während der Kindheit und Jugend noch wächst, entsteht eine Myopie
fast ausschließlich vor dem Alter von 20 Jahren bzw. man geht davon aus, dass das
Augenwachstum dann abgeschlossen ist und eine bestehende Kurzsichtigkeit eigentlich nicht
mehr wesentlich stärker werden dürfte.
Oft steigt die Myopie während extremer Wachstumsschübe ebenfalls stark, um sich
dann im Erwachsenenalter auf einen Wert einzupendeln.
Während der Jahre des schnellen Wachstums kann ein häufiger Wechsel der
Brillengläser oder Kontaktlinsen notwendig sein, um immer bestmögliches Sehen zu
garantieren.
Kurzsichtigkeit wird oft vermutet, wenn der Lehrer feststellt, dass das Kind
beim Blick an die Tafel die Augen immer "so komisch zusammenkneift", oder wenn ein Kind bei dem Schulsehtest schlecht abschneidet. Ein ausführlicher
Sehtest und eine Untersuchung der Augen beim Augenarzt werden
den Grad der Kurzsichtigkeit und weitere Unstimmigkeiten enthüllen
bzw. ausschließen.
Regelmäßige Sehtests und Augenuntersuchungen sollten erfolgen,
nachdem die Myopie entdeckt wurde, um eine veränderte Situation
stets schnell erfassen zu können und ggf. eine neue Brillen-
oder Kontaktlinsenstärke zu verordnen. Eine Verschlechterung
des Sehens darf das tägliche Leben, vor allem bei Kindern und
Jugendlichen, nicht beeinflussen.
Wie kann man darauf reagieren?
Konkave Korrektionsgläser oder Kontaktlinsen werden verordnet, damit das Licht weniger stark gebrochen in das Auge eintritt und dann genau auf die Netzhaut gebündelt werden kann, wo als Folge ein scharfes Bild entsteht.
Wenn Sie zum ersten Mal eine Brille oder Kontaktlinsen mit Minuswirkung tragen, werden Sie erst mal überrascht sein, wie klar Sie sehen. Nach ein paar Tagen werden Sie sich völlig an die neue Situation gewöhnt haben, und die Tatsache, dass Sie kurzsichtig sind, wird Ihr Leben nicht weiter beeinträchtigen. Trotzdem sind stark myope Personen teilweise in der Berufswahl eingeschränkt (z.B. Piloten).
Kurzsichtigkeit bei Kindern
Schulkinder können Sehprobleme verschiedenster Ausprägung haben.
Wenn Sie eine Sehschwäche bei Ihrem Kind vermuten, ist es zunächst unerlässlich,
durch eine ausführliche Augenuntersuchung die Art des Sehfehlers festzustellen
und Augenkrankheiten auszuschließen. Mit der richtigen Korrektion wird
Ihr Kind das bestmögliche Sehen erreichen und genießen können.
Wie Sie Ihrem Kind helfen können, mit der Kurzsichtigkeit richtig umzugehen:
Vermeiden Sie Sätze wie "Du
hast nun mal schlechte Augen". Erklären Sie Ihrem Kind stattdessen, dass seine Augen das Licht einfach anders
bündeln und deshalb beispielsweise Linsen als Unterstützung dienen.
Benutzen Sie Zeichnungen und Bilder, um dem Kind leichter verständlich
zu machen, wie ein anders geformter Augapfel die Ursache für Kurzsichtigkeit
sein kann.
Machen Sie die Brillen- oder Kontaktlinsenauswahl zum spaßigen
Erlebnis für Ihr Kind.
Betrachten Sie die Kontaktlinse als eine echte Alternative
zur Brille.
Schränken Sie die Aktivitäten Ihres Kindes nicht aufgrund des
Sehfehlers ein.
Schließen Sie das Kind in Unterhaltungen über sein Augenlicht
mit ein und weisen Sie es darauf hin, Acht zu geben, ob sich an der Sehschärfe
etwas ändert.
Wenn Sie Gegenstände in der Ferne klar erkennen, aber Probleme haben, Dinge in
der Nähe gut zu sehen, könnten Sie weitsichtig oder hyperop sein.
Meistens wird die Hyperopie jedoch erst in späteren Jahren
entdeckt, da man, solange die Linse noch flexibel genug ist, diesen Sehfehler
bis zu einem gewissen Grad durch Akkommodation ausgleichen kann.
Das ständige Akkommodieren kann jedoch Kopfschmerzen, nach längeren Lesephasen auch verschwommenes Sehen und ähnliche Beschwerden verursachen, da es sich um eine ständige Anstrengung handelt. Kinder werden möglicherweise ungern lesen, da sie es als schwierig betrachten.
Hyperopie ist keine Krankheit und man hat auch nicht "schlechte Augen". Es bedeutet ganz einfach, dass die Abbildung im Auge von der Norm abweicht.
Was verursacht Weitsichtigkeit?
Im Allgemeinen wird die Hyperopie durch ein zu kurzes Auge verursacht, manchmal auch durch eine zu wenig gekrümmte Hornhaut. Warum das Auge von der "Normform" abweicht, ist noch nicht exakt bekannt, aber die Neigung zur Weitsichtigkeit scheint vererbbar zu sein. Daneben können andere Faktoren eine Rolle spielen, aber sicher eine weniger wichtige als die Vererbung.
Unsere Fähigkeit zu "sehen" beginnt, wenn Licht durch die Hornhaut ins Auge
eintritt. Die Gestaltung der Hornhaut, der Linse und des Augapfels tragen dazu bei, das
Licht derart zu bündeln, dass es exakt auf der Netzhaut auftrifft und dort ein
scharfes Bild liefert.

Wenn Sie jedoch weitsichtig sind, treffen sich die Lichtstrahlen eines weit entfernten
Objektes erst hinter der Retina (Netzhaut) zu einem scharfen Bild. Da die Strahlen vor
ihrem "Treffpunkt", also auch auf der Netzhaut, noch sozusagen einzeln verlaufen, entsteht
auf der Netzhaut ein "Unschärfescheibchen" von jedem Bildpunkt des angeblickten
Objekts - das Bild ist unscharf!

Bei geringen Hyperopien wird die Linse automatisch veranlasst, sich zu krümmen, also
zu akkommodieren, damit wieder ein scharfes Bild auf der Netzhaut erscheint.
Das Gleiche, aber ohne das Auge zusätzlich anzustrengen, bewirken konvexe
Korrektionsgläser oder Kontaktlinsen, die das Licht stärker bündeln, sodass
es letztendlich genau auf die Netzhaut fokussiert wird.
Wer ist von Weitsichtigkeit betroffen?
Sehr viele Menschen sind weitsichtig, ohne es zu bemerken, da sie es ja ausgleichen
können. Trotzdem leiden diese Menschen oft darunter, ohne es zu wissen. Durch die
ständige Anstrengung, um immer scharf sehen zu können, entstehen Kopfschmerzen,
die selten den Augen zugeschrieben werden. Erst, wenn die Weitsichtigkeit nicht mehr durch
die Augenlinse ausgeglichen werden kann, oder wenn sehr viel in der Nähe gearbeitet
wird, macht sich die Hyperopie auch in unscharfem Sehen bemerkbar, und man lässt
seine Augen testen. Das ist natürlich eigentlich der falsche Weg.
Wie kann man feststellen, ob eine Weitsichtigkeit vorliegt?
Die Weitsichtigkeit wird selten in Schulsehtests festgestellt, da dort normalerweise nur
das Sehen in die Ferne geprüft wird. Ein ausführlicher Sehtest beim Augenoptiker
oder Augenarzt wird Ihre Weitsichtigkeit ans Tageslicht bringen.
Wie kann man darauf reagieren?
Konvexe Linsen - Brillengläser oder Kontaktlinsen - helfen dem Auge, die
Lichtstrahlen exakt auf die Netzhaut zu bündeln.
Um die optimale Versorgung Ihrer Augen zu gewährleisten, wird Ihnen der gewissenhafte
Augenoptiker oder Augenarzt einige Fragen zu Ihrem Lebensstil, zur Berufstätigkeit, zu
Ihren täglichen Aktivitäten und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand stellen. Mit
Ihren Angaben und Ihrer Zusammenarbeit werden die Lösungen gefunden, die Ihnen
bestmögliches und komfortables Sehen ermöglichen.
In den empfohlenen Abständen sollten Sie zu einer Routineüberprüfung
erscheinen, damit Änderungen rechtzeitig bemerkt werden.
Wie wird sich die Hyperopie auf Ihr Leben auswirken?
Nachdem Sie sich an Ihre neuen Kontaktlinsen oder Brille gewöhnt haben, wird Ihr Leben eigentlich so weitergehen wie bisher, mit dem Vorteil, dass Sie immer eine klare Sicht haben ohne Anstrengungsbeschwerden.
Astigmatismus gehört zu den sogenannten refraktiven Sehfehlern, d.h., das Licht wird im Auge nicht korrekt gebrochen und auf die Netzhaut projiziert. Astigmatismus ist häufig mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit kombiniert, also Sehfehlern, die ebenfalls aus falscher Lichtbrechung resultieren.
Wodurch wird Astigmatismus verursacht?
Astigmatismus entsteht gewöhnlich, wenn die Hornhaut, der vordere, transparente Bereich der Augenoberfläche, unregelmäßig gekrümmt ist. Normalerweise ist die Hornhaut leicht und gleichmäßig in allen Richtungen gekrümmt, und das Licht, das durch die Hornhaut (Cornea) in das Auge eintritt, wird an jeder Stelle gleich gebrochen.
Beim Astigmatismus ist die äußere Oberfläche der Hornhaut in einer Richtung stärker gekrümmt als in der anderen. Diese Richtungen stehen in der Regel senkrecht zu einander. Man spricht von Hauptschnitten oder auch Meridianen. So kann die Cornea z.B. im horizontalen Hauptschnitt einen längeren Krümmungsradius aufweisen als im senkrechten Hauptschnitt. Die Hornhaut ähnelt also in ihrer Gestalt eher einem Rugby-Ball als einem Fußball.
Wenn nun Licht durch eine solche Hornhaut fällt, wird der Teil
des Lichtes, der durch den stärker gekrümmten Bereich gebrochen wird, vor
dem anderen Teil des Lichtes fokussiert, der durch den schwächer gekrümmten
Bereich geht und erst weiter hinten seinen Brennpunkt hat.
Klingt sehr kompliziert, heißt aber eigentlich nur, dass zwei
Brennpunkte existieren für verschiedene Bereiche der Hornhaut - einer weiter
vorne und einer weiter hinten. Insgesamt gesehen entsteht niemals von einem
Punkt im Objektraum ein einziger bzw. gemeinsamer Punkt auf der Netzhaut.
Je nachdem, ob noch Kurz- oder Weitsichtigkeit hinzukommen,
entsteht als Bild des Punktes auf der Netzhaut eine unscharfe Ellipse oder
im besten Fall ein "Kreis
kleinster Verwirrung".
Diese Abweichung der Hornhaut wirkt sich beim Sehen ungefähr so aus, wie wenn man in einen welligen Spiegel blickt. Das Auge ist also nicht fähig, Lichtstrahlen in einem Punkt zu versammeln.
Warum sind Hornhäute (Corneae) anders geformt?
Nicht alle Hornhäute sind perfekt gekrümmt, genau wie die Zähne eines Menschen selten in einer Reihe stehen. Der Grad der Abweichung bestimmt letztendlich, ob eine Korrektion notwendig ist oder nicht. Die genauen Gründe, warum Hornhäute unterschiedlich gekrümmt sind, sind unbekannt, aber man weiß, dass die Tendenz zum Astigmatismus erblich ist. Deshalb werden manche Menschen eher einen Astigmatismus entwickeln als andere.
Die durchsichtige Hornhaut ist an vorderster Stelle des Auges platziert und ermöglicht
dem Licht, den Augapfel zu betreten. Die Hornhaut verrichtet ca. ¾ der
Arbeit, die für klare Sicht benötigt wird, indem sie die Lichtstrahlen
sammelt und auf einen Punkt zulenkt.
Die Linse, die sich hinter der Cornea im Auge befindet, vollendet
die Arbeit und richtet die Lichtstrahlen gebündelt auf die Netzhaut, und
zwar auf eine ganz bestimmte Stelle - die Fovea centralis - dem Ort des
schärfsten Sehens. Wenn das Licht nicht in einem einzigen Punkt in der
Fovea gebündelt wird, kann das Bild, das auf der Netzhaut entsteht, nicht
einwandfrei ans Gehirn weitergeleitet werden.
Wenn Astigmatismus vorliegt, ist die Oberfläche der Hornhaut ungleichmäßig gekrümmt und nicht sphärisch. Die Hornhaut kann also das Licht nicht in einen einzigen Punkt bündeln, wie es für eine scharfe Abbildung notwendig ist. Es existieren meist zwei aufeinander senkrecht stehende Meridiane, die jeweils einen eigenen Brennpunkt besitzen, mit fließenden Übergängen dazwischen. Deshalb kann nirgends ein scharfes Bild entstehen, egal wo der Betrachter hinschaut.
Wer bekommt Astigmatismus?
Astigmatismus ist sehr verbreitet (Wer ist schon perfekt gebaut?). Experten glauben, dass fast jeder einen gewissen Grad an Astigmatismus besitzt, oft von Geburt an, der das ganze Leben lang gleich bleibt. Interessant für Eltern und Leute, die mit Kindern arbeiten, könnte sein, dass sich Astigmatismus oft auf die schulischen Leistungen auswirkt, aber bei Schulsehtests nicht entdeckt wird.
Bei einer ausführlichen Augenglasbestimmung wird immer auch überprüft, ob
und in welchem Grad Astigmatismus vorliegt.
Wie kann man darauf reagieren?
Es werden torische Gläser oder Kontaktlinsen verordnet, die das Licht richtig
brechen helfen.
Ein torisches Glas hat zusätzlich zur gewünschten Stärke gegen
Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit ein weiteres refraktives Element, den Zylinder. Es
entsteht in einer Achsrichtung eine stärkere Sammelwirkung als in der anderen
Achsrichtung, senkrecht dazu.
Wird Astigmatismus schlimmer?
Astigmatismus kann langsam zunehmen. Regelmäßige Besuche beim Augenoptiker
und Augenarzt können dazu beitragen, dass Ihre Sicht immer bestmöglich
korrigiert sein wird.
Wie wird sich ein Astigmatismus auf Ihr Leben auswirken?
An das Tragen von Kontaktlinsen oder Brille muss man sich zwar erst gewöhnen, aber
der Astigmatismus selbst wird Ihr Leben dann sicher nicht weiter beeinflussen.
Es gibt zwei Arten von Astigmatismus
1. Astigmatismus regularis (regulärer A.):
Der am stärksten gekrümmte Abschnitt der Hornhaut steht senkrecht zu dem am
schwächsten gekrümmten.
Dieser Zustand lässt sich relativ leicht mit torischen Linsen korrigieren. Dabei
kann man weiche torische Kontaktlinsen verwenden, formstabile Kontaktlinsen oder auch
Brillengläser.
2. Astigmatismus irregularis (unregelmäßiger A.):
Von unregelmäßigem Astigmatismus spricht man entweder, wenn die beiden
Hauptschnitte des Auges nicht im 90°-Winkel zueinander stehen und/ oder wenn die
Oberfläche der Hornhaut durch Narben oder andere Unebenheiten unscharfe, verzerrte
Bilder liefert.
In diesem Fall helfen normale, torische Brillengläser oder torische weiche
Kontaktlinsen nicht weiter. Eine optimale Korrektion ist oft nur mit formstabilen
Kontaktlinsen möglich, die hierfür meist speziell angefertigt werden. Bei
formstabilen Kontaktlinsen bildet sich zwischen Kontaktlinse und Hornhaut eine
zusätzliche Tränenlinse, die sämtliche Unebenheiten der Hornhaut optisch
ausgleicht, da die Tränenflüssigkeit fast die gleiche Brechzahl besitzt wie die
Hornhaut. D.h., beim Übergang des Lichts von der Tränenlinse zur Hornhaut wird
das Licht kaum gebrochen.
Es bedeutet kein Stigma, Astigmatismus zu haben?
Nein, es ist ein ganz normaler, weit verbreiteter Sehfehler. Kaum ein Mensch hat ganz gerade Zähne, und so sind auch zahlreiche Hornhäute (Corneae) unregelmäßig geformt. Während man nicht genau weiß, warum das so ist, wird allgemein davon ausgegangen, dass die Tendenz, Astigmatismus zu bekommen, erblich ist.
Wenn Sie beim Lesen das Gefühl haben, Ihre Arme werden zu kurz, dann ist es wahrscheinlich soweit. So bemerken die meisten von uns einen Zustand, den die Fachleute Presbyopie nennen.
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "altes Auge". Im Deutschen gibt es leider auch nur einen unschönen Begriff: Alterssichtigkeit. Um die Betroffenen anfangs nicht zu schockieren, sagen manche auch "jungpresbyop" dazu. Schnelles Ermüden oder Kopfschmerzen bei diffizilen Arbeiten sprechen ab einem gewissen Alter ebenso für eine beginnende Presbyopie wie die "zu kurzen Arme".
Wodurch wird Presbyopie verursacht?
Nun, mit der natürlichen Alterung verliert eigentlich jedes Körpergewebe an Elastizität. Die Haut z.B. wird schlaffer, und wir bekommen Falten. Auch die Linsen unserer Augen verlieren ihre Elastizität und werden immer härter. Die Flexibilität und somit Krümmungsfähigkeit der Linse ist jedoch unbedingt notwendig, um in verschiedenen Entfernungen scharf zu sehen; den Vorgang nennt man Akkommodation.
Die Akkommodationsfähigkeit sinkt also mit zunehmendem Alter. Der Alterungsprozess verläuft natürlich allmählich. Aber erst, wenn der Verlust an Akkommodationsfähigkeit so groß ist, dass bestimmte Entfernungen aus eigener Kraft nicht mehr scharf gestellt werden können, wird die Veränderung bemerkt.
Wie beeinflusst der Verlust an Elastizität das Sehen?
Unsere Fähigkeit zu "sehen" beginnt, wenn Licht durch die Hornhaut ins Auge eintritt. Die Gestaltung der Hornhaut, der Linse und des Augapfels trägt dazu bei, das Licht derart zu bündeln, dass es exakt auf der Netzhaut auftrifft und dort ein scharfes Bild liefert.
Die Augenlinse spielt eine Schlüsselrolle bei der Scharfeinstellung.
In jungen Jahren ist die Linse flexibel. Mithilfe der feinen Ziliarfasern,
an denen die Linse sozusagen im Auge aufgehängt ist, kann sich die Form der
Linse verändern. Man sagt auch, das Auge akkommodiert. Beim Blick in die Ferne
wird sie abgeflacht, und um in näheren Entfernungen scharf zu sehen, wird
sie kontinuierlich kugeliger. Das wird von den Ziliarfasern bewerkstelligt,
die beim Blick in die Ferne angespannt sind, die Linse also flachziehen.
Beim Blick in die Nähe sind die Fasern entspannt, sie nimmt ihre kugelige
Ausgangsstellung ein, und die Linse hat ihren höchsten Brechwert.
Mit dem Alter wird diese Formänderung für die Linse schwieriger, da sie immer
härter wird. Die Anpassung kann auch etwas länger dauern als früher.
Bereits in der Jugend beginnt die Linse, weniger flexibel zu werden. Aber erst in den
frühen Vierzigern werden erste Effekte beim Lesen oder besonders feinen Arbeiten
registriert. Presbyopie erwartet jeden von uns, und es gibt keine bekannte Methode, das zu
verhindern!
Wie wird die Presbyopie festgestellt?
Eine ausführliche Überprüfung Ihrer Augen sowohl in der Ferne, als auch in
der Nähe durch Augenoptiker oder Augenarzt wird Ihnen Klarheit verschaffen. Ein Besuch
beim Augenarzt sollte auch etwaige andere unerwünschte Veränderungen
ausschließen.
Wie kann man auf die Presbyopie reagieren?
Normalerweise wird Ihnen Ihr Fachmann unterstützende Gläser zum Lesen bzw.
für die Nähe verordnen. Diese Gläser haben genau die Stärke, die Ihren
Linsen zur richtigen Fokussierung fehlt. Dabei ist es wichtig, dass Sie nach der
Entfernung gefragt werden, in der Sie hauptsächlich die Unterstützung
benötigen. Addition wird der Betrag genannt, der Ihnen für Ihre
Hauptarbeitsentfernung fehlt. Die Additionswerte werden so ausgewählt, dass Sie
bequem in der Hauptentfernung arbeiten können, aber noch ein Spielraum nach vorne und
hinten gegeben ist. Schließlich haben Sie in der Regel stets einen Restanteil an
Akkommodationsfähigkeit, der dazu ausgenutzt wird.
Sollten Sie für die Ferne keine Brille benötigen, genügt wahrscheinlich eine
reine Lesebrille, und Sie können wieder entspannt lesen und arbeiten. Wenn andere
Sehfehler wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus hinzukommen, werden
Gleitsicht- oder Bifokalgläser oder Gleitsichtkontaktlinsen eine bequeme Lösung
für Sie sein.
Kann ich meine Kontaktlinsen noch tragen?
Ja. Sie haben sogar drei Möglichkeiten, wie Sie als Kontaktlinsenträger mit der neuen Situation umgehen können bzw. sogar jetzt erstmals mit dem Gedanken spielen, mal Kontaktlinsen auszuprobieren:
Um das herauszufinden, wird Ihnen Ihr Kontaktlinsenspezialist zahlreiche Fragen
stellen. Z.B. in welcher Entfernung Sie hauptsächlich arbeiten, was Sie arbeiten, wie
die Luftverhältnisse und die Sehanforderungen an Ihrem Arbeitsplatz sind und vieles
mehr. Als Bibliothekar werden Sie sicher ganz andere Kriterien haben als ein
Lastwagenfahrer. Anhand Ihrer Angaben wird er Ihnen die beste Lösung ausarbeiten
können. Eventuell wird er Ihnen auch eine weitere Kombination vorschlagen.
Wird sich die Presbyopie häufig verschlechtern,
nachdem sie einmal korrigiert
wurde?
Presbyopie ist ein Vorgang, der sich kontinuierlich verändert. Allerdings wird mit
einem bestimmten Alter ein Endstadium erreicht.
Mit ca. 65 Jahren werden Sie Ihre letzte Veränderung benötigen. Wenn Sie Ihre
Augen aber regelmäßig untersuchen lassen, werden Ihnen zu plötzliche
Änderungen keine Schwierigkeiten bereiten. Wenn Sie mit der ersten Korrektion der
Presbyopie zu lange warten, werden Sie mit längeren Eingewöhnungszeiten rechnen
müssen.
Wenn Sie bereits bei den ersten Anzeichen ("Hilfe, meine Arme werden zu kurz...") einen
genauen Sehtest machen lassen, werden Sie kaum einen Unterschied zu vorher merken. Sie
werden nur viel entspannter und beispielsweise ohne Kopfschmerzen arbeiten. Den
routinemäßigen Sehtest kann Ihr Augenoptiker durchführen.
Trotzem sollten Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zum Augenarzt gehen.
Mehr Informationen hierzu finden Sie hier: Sehen von 0 bis 100