CIBA VISION

Augenfunktion

Die Fähigkeit zu sehen

Unsere Fähigkeit zu "sehen" beginnt, wenn Licht von einem Gegenstand, welchen wir betrachten, reflektiert wird und in das Auge "fällt".
Zu diesem Zeitpunkt ist das Licht ungebündelt, und die nächste Stufe zum Sehen ist, die divergenten bzw. parallelen Lichtstrahlen zu sammeln, also zu einem konvergenten Strahlenbündel zu machen, das auf die Netzhaut trifft.
Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht am Augenhintergrund. Das Licht, das auf der Netzhaut auftrifft, stimuliert die Photorezeptoren, welche in hochkomplexen Prozessen die Lichtstrahlen in elektrochemische Impulse umwandeln, die dann durch den Sehnerv zur Sehrinde im Großhirn weitergeleitet werden. Das Gehirn interpretiert die Signale und ermöglicht so erst, dass wir das betrachtete Objekt auch wirklich erkennen.
Für ein besseres Verständnis der Anatomie des Auges besuchen Sie bitte unsere Seite

Die Lichtbrechung

Das Licht, das in das Auge eintritt, wird zunächst vom Tränenfilm und von der Hornhaut (Cornea) gebrochen. Die Hornhaut besitzt tatsächlich die höchste Brechkraft im optischen System Auge.
Nachdem das Licht die Cornea passiert hat, wird es noch einmal gebündelt, es erfolgt sozusagen die Feineinstellung an der kristallinen Linse im Auge. Die Augenlinse fokussiert das Licht auf die Netzhaut. Diese Feineinstellung ist möglich, indem die Ziliarmuskeln die Form der Linse verändern. Die Linse ist an den Ziliarfasern im Auge "aufgehängt". Diese Fasern wiederum können von den Ziliarmuskeln entspannt oder angespannt werden. Sind die Fasern angespannt, so ist die Linse flachgezogen, sie ist also auf die Ferne eingestellt, d.h., ein rechtsichtiges Auge (ohne Sehfehler) bricht parallele Strahlen aus weiten Entfernungen (ab ca. 6 m) genau auf die Netzhaut. Man nennt diesen Zustand auch Desakkommodation. Sind die Ziliarfasern entspannt, so krümmt sich die Linse stärker zusammen, und man kann stufenlos Objekte in näheren Entfernungen scharf sehen. Diesen Zustand der Einstellung auf nahe Entfernungen nennt man auch Akkommodation. Je nach Akkommodationsfähigkeit kann man Objekte bis zu einem Mindestabstand von ca. 8 cm betrachten.

Warum die Lichtbrechung so wichtig ist

Idealerweise wird das Licht so gebrochen, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Die meisten Sehprobleme werden durch eine fehlerhafte Lichtbrechung am Auge verursacht. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) werden die Lichtstrahlen schon vor der Netzhaut zu einem scharfen Bild gebündelt, bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) treffen sich die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut.

Bei Astigmatismus ist die Krümmung der Hornhaut in verschiedenen Richtungen ungleichmäßig; hier wird ein Punkt auf der Netzhaut als Strich oder Ellipse abgebildet.

Wenn wir älter werden, altern auch unsere Linsen im Auge - Lesen und Arbeiten in der Nähe werden immer schwieriger. Dieser Zustand wird Presbyopie genannt und kommt daher, dass die Augenlinse ihre Flexibilität nach und nach verliert und deshalb das Licht schlechter bündeln kann. Sie verliert also allmählich ihre Fähigkeit zu akkommodieren.

Woher wissen wir, was wir sehen?

Selbst wenn das Licht korrekt auf die Retina gebrochen wurde, ist der Sehprozess noch lange nicht beendet. So steht das Bild auf der Netzhaut z.B. auf dem Kopf. Das Licht, das von den einzelnen Teilen des betrachteten Objektes kommt, stimuliert Photorezeptoren - Sinneszellen, die auf Licht reagieren - in der Netzhaut.

Stäbchen und Zapfen

Es gibt zwei Arten von Photorezeptoren: Stäbchen und Zapfen. Stäbchen sind für das Sehen im Dämmerlicht zuständig, erkennen also Schwarz-Weiß-Kontraste, sowie für das Erkennen von Bewegungen. Sie sind in erster Linie für die visuelle Orientierung zuständig.

Mit Hilfe der Zapfen können anspruchsvolle Sehaufgaben wie Lesen und das exakte Erkennen weit entfernter Objekte bewältigt werden. Mit ihnen werden Einzelheiten erfasst, und sie ermöglichen Farbsehen. Am Ort des schärfsten Sehens befinden sich ausschließlich Zapfen. Beide Arten von Rezeptoren konvertieren das Licht in elektrochemische Impulse, die über den Sehnerv ins Gehirn gelangen. Millionen von Impulsen laufen im Sehnerv. Der Sehnerv besteht aus einer Vielzahl von Nervenfasern, die jeweils am hinteren Pol des Auges den Augapfel verlassen und sozusagen eine Verlängerung der Photorezeptoren darstellen. Nach dem Passieren einiger wichtiger Umschaltstellen erreichen sie schließlich die Sehrinde am Hinterkopf. Dort werden die Impulse verarbeitet und interpretiert. Das Bild wird umgedreht, sodass es nicht mehr auf dem Kopf steht. Dieser ganze letzte sensorische Teil des Sehapparates ist um einiges empfindlicher und komplexer aufgebaut als der refraktive, also lichtbrechende Teil. Deshalb ist es auch viel schwieriger, hier Einfluss zu nehmen.

100 % Visus oder Visus 1,0 - was bedeutet das?

In Deutschland ist es üblich, den Visus, also die Sehschärfe, in Prozent oder als Faktor anzugeben. Bei 100 % Visus, also Visus 1,0 dürfte es doch dann eigentlich keine Steigerung mehr geben, oder?
Eventuell schon. Zunächst bedeutet 100 % Sehschärfe "nur" Folgendes: In einem Testraum, in dem die Sehtafel 6 m von Ihnen entfernt ist (oder über ein Spiegelsystem auf eine entsprechende Entfernung gebracht wird), können Sie zwei Punkte gerade noch getrennt wahrnehmen, die zu Ihrem Auge einen Winkel von 1 Winkelminute einnehmen.

Es gibt Personen, die denselben Buchstaben erst aus näherer Entfernung erkennen. Sie haben also weniger als 100 % Sehschärfe. Es gibt aber auch "Adleraugen" unter uns, die denselben Buchstaben auch noch in mehr als 6 m Entfernung erkennen können. Bei einer Kurzsichtigkeit von -0.50 dpt (dpt = Dioptrien) rechnet man im Allgemeinen mit einer um 50 % schlechteren Sehschärfe als optimal. Das heißt nicht, dass man "halb blind" ist, sondern lediglich, dass man eben näher heran gehen muss, um ein Objekt in allen Details zu erkennen. Andererseits genügen -0.50 dpt, um die Sehqualität erheblich einzuschränken - also kein Grund, die Sehschwäche nicht zu korrigieren.

Aber zum gesamten Sehen gehört weitaus mehr als nur das scharfe Erkennen von unbeweglichen Objekten aus bestimmten Entfernungen. Zum optimalen Sehen kommen hinzu

  • die periphere Wahrnehmung - zum fixierten Objekt kommt das nach außen zunehmend unschärfer werdende Umfeld hinzu, um ein normales Gesamtbild zu ergeben
  • das Zusammenspiel beider Augen - das Binokularsehen muss einwandfrei funktionieren, um räumliches Sehen zu ermöglichen
  • die Schärfentiefe - auch sie ist sehr wichtig für das Erfassen räumlicher Situationen und um das Auge vor zu genauen Einstellbewegungen zu entlasten
  • das Farbsehen
  • das Akkommodationsvermögen - also die Fähigkeit, das Auge auf verschiedene Entfernungen einzustellen./li>
Übrigens sollten all diese Faktoren bei einem Bildschirmarbeitsplatz-Sehtest überprüft werden.

Warum haben manche Menschen weniger als 100 % Sehschärfe?

Die Fähigkeit, Objekte scharf wahrzunehmen, hängt von vielen Faktoren ab. Die Sehschärfe wird z.B. beeinträchtigt durch

  1. Kurzsichtigkeit
  2. Weitsichtigkeit
  3. Astigmatismus
  4. Augenkrankheiten
Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Seite Sehfehler.

Was kann ich tun, wenn mein Visus schlechter als 100 % ist?

Eine ausführliche Augenglasbestimmung beim Augenoptiker oder Augenarzt ist erforderlich, um den "Fehler im System" aufzuspüren, der für den Verlust an Sehschärfe verantwortlich ist. In der Regel handelt es sich um refraktive Probleme, d.h., das Auge ist z.B. ganz einfach etwas zu lang oder zu kurz gebaut. Zum Ausgleich kann der Augenoptiker oder Augenarzt Ihnen Brillengläser oder Kontaktlinsen in der richtigen Stärke verordnen. Sollte die verminderte Sehschärfe auf einem krankhaften Befund basieren, so wird Ihnen der Augenarzt mit speziellen Medikamenten oder Behandlungen weiterhelfen.